inszenierung

Ex-East
Inszenierung

Es gibt eine Erfahrung, über die in Europa kaum gesprochen wird.


Der Moment nach dem Krieg oder nach dem Frieden, nach der Diktatur oder nach der Demokratie.


Es ist der Moment, in dem eine Welt verschwindet und niemand weiß, wie man in der neuen weiterlebt.


Für die einen verschwand sie mit der Berliner Mauer, für andere mit dem Zerfall Jugoslawiens, wieder für andere mit dem Ende der Sowjetunion. Oder mit der Flucht aus Belarus. Oder mit den Bomben auf Charkiw. Mit einem Zug, der nie wieder in die Heimat zurückfuhr. Mit einer Sprache, die plötzlich politisch wurde.


Osteuropa und Ostdeutschland sind heute weniger durch seine Grenzen 

verbunden als durch diese Erfahrung des Verlustes.


Millionen Menschen leben längst in einer Wirklichkeit, die sie sich nie ausgesucht haben. Sie tragen Erinnerungen an Staaten, Städte und Lebensentwürfe in sich, die nicht mehr existieren. Trotzdem gehen sie jeden Morgen zur Arbeit, gründen Familien, wählen Regierungen und versuchen, Zukunft zu planen.


Aber die Vergangenheit verschwindet nicht so einfach und wir leben deshalb in einer Zeit, in der so viel übereinander gesprochen wird und so wenig miteinander.


Ex-East widmet sich dieser Frage: Wie begegnen sich Menschen, die unterschiedliche Geschichten über dieselbe Wirklichkeit erzählen?
 

Wir versuchen herauszufinden, ob Zusammenleben möglich bleibt, wenn Einigkeit unmöglich geworden ist.


Unser Theater wird dafür zu einem Proberaum. Junge Menschen aus Ostdeutschland, der Ukraine, Polen, Belarus, Russland, Rumänien, Bulgarien, Ungarn und anderen Teilen Europas treffen aufeinander. Sie bringen keine fertigen Positionen mit. Sie bringen Erinnerungen, Zweifel, Wut, Hoffnungen und Fragen mit.


Gemeinsam gehen sie dorthin zurück, wo Geschichte ihre Richtung änderte.


Sie begegnen Politiker:innen und Revolutionär:innen, Lehrer:innen und Soldat:innen, Demonstrierenden und Menschen, deren Namen niemand kennt. Sie übernehmen ihre Perspektiven, ihre Entscheidungen und ihre Widersprüche. Und sie unterbrechen die Geschichte!


Was wäre geschehen, wenn an einem entscheidenden Tag 

jemand anders gehandelt hätte? 

 

Welche Zukunft hätte entstehen können?
 

Und was sagt diese erfundene Vergangenheit über unsere Gegenwart?
 

Das Publikum wird Teil dieser Untersuchung. Nicht als Jury über historische Wahrheit, sondern als Gemeinschaft, 

die entscheidet, welche Zukunftsentwürfe glaubwürdig erscheinen und welche nicht.
So wird Theater zu einem Ort, an dem Geschichte nicht abgeschlossen, sondern verhandelbar ist.


Ex-East ist ein Versuch, Kunst nicht als Kommentar zur Wirklichkeit zu verstehen, sondern als einen Ort, an dem Wirklichkeit neu entstehen kann.


Regie: Georg Genoux
Bühne: Anastasia Tarkhanova
Musik: Matthias Petsche
 

Ex-East ist ein gemeinsames Projekt des Moritzhof Magdeburg und der Agency for Safe Space. Gemeinsam mit Künstler:innen, Kulturinstitutionen, Schulen und Partnerorganisationen aus Magdeburg und Osteuropa entsteht ein europäisches Netzwerk, das Theater als Ort gesellschaftlicher Forschung versteht.


Premiere 2: Im April 2027 am Moritzhof in Magdeburg
Ex East Symposium - Im Juni 2027


Das Projekt wird gefördert von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, 

der Kloster Bergeschen Stiftung und Democracy.doc
 

 

Das erste Projekt und die 

erste Inszenierung
 

Premiere 1: Am 15. und am 16. Oktober 2026 am Moritzhof in Magdeburg 
 

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